Psychotherapeutische Unterversorgung

In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die ambulante Psychotherapie. Das sind im Fall einer “normalen” Langzeitpsychotherapie fünf probatorische Sitzungen, um sich kennenzulernen und 60 Sitzungen à 50 Minuten. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) der jeweiligen Region vergibt hierfür die Plätze für ambulante Psychotherapeuten (und Ärzte). Die Abrechnung erfolgt ebenfalls zwischen den Psychotherapeuten und der KV. Die wiederum hat mit den Kassen vorher festgelegt, wie viel Geld ihr zur Verfügung steht. Das bemisst sich allerdings nicht nach sinnvollen Faktoren wie Demografie, Sterblichkeitsrate, Zahl der tatsächlich Erkrankten oder der Therapeutenzahlentwicklung, sondern anhand der Veränderung der sogenannten Grundlohnsumme, die eigentlich nichts über den Bedarf an psychotherapeutischen Kassensitzen aussagt. Gäbe es mehr Kassensitze für Psychotherapeuten, müsste die KV also mehr zahlen. Deswegen hat sie kein Interesse daran, neue Kassensitze zu kreieren. Und das, obwohl das dringend notwendig wäre. Gerade in NRW ist die Versorgung schlecht. Das ist auch dank eines Tricks möglich: Großstädte in NRW werden nicht als solche, sondern als “Sonderregionen” berechnet, für die andere Vorgaben gelten. Zur Folge hat das, dass Patienten im Durchschnitt sechs Monate auf einen freien Platz für ambulante Psychotherapie warten müssen. Vor dem Hintergrund, dass die Prognose für eine Genesung im Laufe der (unbehandelten Zeit) immer schlechter wird, ist das besonders dramatisch.
Einige Patienten gehen dann zu einem Psychiater, also einem Mediziner, der den Facharzttitel für Psychiatrie erworben hat. Der hat nicht ein Mal die Woche 50 Minuten Zeit. Ich habe mal gelesen, dass ein Psychotherapeut im Jahr ungefähr 50 Patienten sieht. Beim Psychiater sind es 700. Man kann sich ausmalen, wie so ein Kontakt dann abläuft. Nur Medikamente zu nehmen ist (meistens) keine leitlinienkonforme Behandlung einer psychischen Erkrankung.
Es gibt das Prinzip der Kostenerstattung: Demnach muss eine Krankenkasse einem Patienten, der nachweisen kann, dass er bei einigen Therapeuten angerufen und nirgendwo innerhalb weniger Wochen einen Platz zugesagt bekommen hat, eine ambulante Psychotherapie auch bei einem Therapeuten zahlen, der keinen Kassensitz hat (also auf privater Basis behandelt). Die meisten Menschen kennen diese Regel gar nicht. Von psychisch Kranken zu erwarten, dass sie sich darum alleine kümmern können, grenzt überdies an Zynismus.
Dabei müsste es ein größeres Interesse an der Verbesserung der ambulanten Versorgung geben. Die unbehandelten psychischen Erkrankungen verschlimmern sich in der Regel. Irgendwann landen die Patienten dann in der Psychiatrie. Im vollstationären Bereich muss hier 24/7 sowohl die Verpflegung gegeben und ein Behandlungsteam anwesend sein (und bezahlt werden). Arbeitgeber müssen Lohn weiter zahlen, obwohl die Krankheitswochen pro Jahr bei psychischen Krankheiten oft über fünf Wochen betragen. Das Risiko auf Chronifizierung steigt, irgendwann betrifft es dann auch die Rentenkassen. Auch das Risiko auf Suizid steigt.
Die Lösung müsste eine politische sein. Wenn man sich jedoch anguckt, wie schwer sich unsere Regierung mit der Verbesserung der Pflege tut, möchte man sich gar nicht erst vorstellen, wie schwer sie sich mit der psychotherapeutischen Versorgung tun wird.

Zensur im Gewand vom Urheberschutz

Worum geht es?
In der EU soll ein Gesetz verabschiedet werden. Hintergrund: Google, Facebook, Twitter und andere besorgen sich Nachrichten, Texte und andere urheberrechtlich geschützte Werke, um sie – meistens in kleinen Teilen – auf ihren Seiten darzustellen. Konkret könnte es hier zum Beispiel um einen Zeitungsartikel gehen, dessen Überschrift, Titelbild und erste Textzeilen in einer Vorschau auf einer der genannten Seiten auftauchen. Dadurch wird das Urheberrecht verletzt und die Unternehmen können sich so an den Leistungen anderer bereichern, ohne dafür zu zahlen. Das soll sich durch das Gesetz ändern.

Was spricht dafür?
Es darf wirklich nicht sein, dass Plattformanbieter sich durch das geistige Eigentum anderer bereichern, ohne dafür Abgaben zu zahlen. Die Bereicherung erfolgt vor allem durch Werbung. Auf dem Gebiet der Onlinewerbung beherrschen in der EU zwei große Unternehmen – man könnte von einem Duopol sprechen – den Markt: Google und Facebook. Durch ihre Stellung gibt es für Konkurrenz wenig bis keine Chance und die Prognose deutet eher auf einen Wachstum des Anteils an der Gesamtonlinewerbung hin. Mit der Werbedominanz würden so nach und nach Verlage verdrängt werden, was einer Informationsdominanz gleichkäme. Das war vor 30 Jahren noch kein Problem, denn da war der Leser ja an die jeweilige Zeitung gebunden, um seine Informationen zu beziehen und die hat dann die Urheber bezahlt.

Was spricht dagegen?
Technisch müsste das Vorhaben durch einen Upload Filter umgesetzt werden. Das würde bedeuten, dass alle Plattformen eine Software etablieren müssten, die sämtliche Dinge, die hochgeladen werden, mit einer Datenbank, in der alle durch das Urheberrecht geschützten Materialien erfasst sind, abgleichen müsste. Diese Software würde dann entscheiden, ob etwas gegen das Urheberrecht verstößt und somit blockiert werden müsste. Das ist technisch schwer bis gar nicht umsetzbar, schon gar nicht für kleine oder mittelgroße Plattformen. Auch für große Plattformen, wie bspw. Wikipedia (die haben zig tausend Uploads jeden Tag), könnte das das Aus bedeuten.
Youtube nutzt hierfür die sogenannte ContentID. Dieses System ist extrem schlecht, denn es meldet viel zu viele “False Positives”, sperrt also oft Inhalte, die gar nicht gegen das Urheberrecht verstoßen. Wenn man solche Systeme jetzt noch etwas genauer betrachtet, liefert das vorgeschlagene Gesetz in der Essenz die Basis für eine Zensur des gesamten Internets. Es wird eine Infrastruktur etabliert, die quasi den gesamten Netzverkehr überwacht und einzelne Inhalte blockieren kann. So etwas gibt es bisher in der Form zum Beispiel in China; dort sperrt der Staat einfach alles, was ihm nicht passt. Links, Memes, Parodien und Propgrammierportale hätten ein Problem. Das Internet, wie wir es kennen, könnte mitsamt seiner Meinungsfreiheit vor dem Ende stehen.

Was wäre besser?
Besser wäre bspw. eine Regelung zu finden, bei der das Allgemeinwohl und nicht das Wohl großer Verlage im Vordergrund steht. Zeitungen trifft neben der Digitalisierung, bei der sie sich sehr schwer tun, vor allem der Wegfall der Werbeeinnahmen. Die gehen an die Konzerne, die die meisten Daten über uns haben und somit die besten Profile über uns erstellen können. Wenn man diese Werbung reglementieren würde, würden sich die hierdurch entstehenden Einnahmen vermutlich wieder anders verteilen. Außerdem sollte man tunlichst davon absehen, selbst kleinste Linkschnipsel als geistiges Eigentum zu betrachten;

Fun Facts
Die Idee von Upload Filtern war auch Thema bei den Koalitionsverhandlungen in Deutschland. CDU und SPD haben sich hier explizit darauf geeinigt, eine solche Technologie auf keinen Fall zum Einsatz kommen zu lassen. Das scheint Axel Voss (CDU) aber egal zu sein. Er fordert trotzdem das Gesetz, das eben diese einführen soll.
Der Axel Springer Verlag lobbyiert richtig hart für die Einführung. Die geben sogar zu, dass es ihnen vor allem darum geht, unabhängige und alternative Nachrichtenangebote aus dem Weg zu räumen.
Der erste Entwurf von Voss wurde letzte Woche im EU Parlament abgelehnt, nachdem er eine knappe Mehrheit im EU Rechtsausschuss erhielt. Er soll nun überarbeitet werden. Bleibt also wachsam, kontaktiert eure politischen Vertreter und merkt euch das Abstimmverhalten der Parteien für die nächste Wahl.

Weitere Links
– Sasha Lobo zur Entwicklung des “Axel Springer Gesetz”
– Axel Voss (CDU) und Julia Reda (Piraten) schreiben hier ihre Argumentation nieder. Das Ziel von beiden ist löblich. Voss bleibt in seiner Argumentation jedoch sehr vage, während Reda konkrete Beispiele und wissenschaftliche Quellen für ihren Standpunkt bemüht.
– Save Your Internet Kampagne

Aufmerksamkeit des Populismus

Trump und die AfD haben etwas gemeinsam: Sie erzeugen Aufmerksamkeit. Das ist eine der Methoden, durch die sie dahin kommen konnten, wo sie heute sind. Inhalte sind eher selten und nur basal vorhanden. Es geht irgendwie um den Schutz von “uns” vor der schrecklichen Gefahr der “anderen”. Detaillierter wird die Argumentation nicht und dürfte sie auch gar nicht werden, denn dann würde man die tieferliegenden argumentatorischen und/oder moralischen Verfehlungen erkennen. Detaillierter muss die Argumentation aber auch nicht werden, denn anscheinend kommt es vielen Menschen gar nicht darauf an. Es reicht, durch provokante Thesen, die ein manchmal nur vages Gefühl bedienen, ins Rampenlicht zu rücken.
Man bedient sich hierbei verschiedener psychologischer Mechanismen: Zum einen bleibt etwas besonders Außergewöhnliches besonders leicht im Gedächtnis. Darüber hinaus kann man durch das Lenken von Aufmerksamkeit Menschen dazu bringen, andere Dinge gar nicht mehr wahrzunehmen. Um das zu illustrieren, hier ein kleines Video:

Des Weiteren ist Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource. Das ist gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung, in der durch großflächige Verfügbarkeit von Bildschirmen mit Unterhaltungsangeboten stets Reize verfügbar sind bedeutsam, denn wenn wenig Aufmerksamkeit verfügbar ist, muss man wenige vorhandene Aufmerksamkeit schnell und simpel auf sich ziehen. Dann gibt es noch das Phänomen, dass Menschen automatisch das, was ihnen auffällt, für wichtig halten. Vor dem Hintergrund wirkt es besonders verhängnisvoll, dass rechte Politiker mit vermeintlich skandalösen Aussagen durch Einladungen in Talkshows oder Interviews in Magazinen belohnt und bis zum Erbrechen rezitiert werden. Und zu guter Letzt fühlen sich Menschen auch noch in ihren Meinungen über eine bestimmte Sache bestätigt, wenn sie nur die Sache (nicht etwa die Meinung über die Sache) irgendwo wiedersehen.
Ein erster Schritt gegen Populisten kann es also schon sein, Menschen über die Mechanismen von Aufmerksamkeit aufzuklären und ihnen (also den Populisten) keine Beachtung zu schenken. Leider scheinen Populisten die Medien besser zu verstehen, als die Medien sich selbst. Wichtiger wäre, über die Mechanismen der Beeinflussung und über Fakten zu berichten, anstelle sich zu empören.

Sehr zu empfehlen ist hierzu ein älteres Segment aus dem Neo Magazin Royal.

No Equipment Workout (Beispiel)

Du willst Kraftübungen machen, aber scheust die Anmeldung im Fitnessstudio, weil das teuer ist und die Chance eines Abbruchs zu hoch ist? Dann geht es dir wie mir. Ich bin als Folge dieser Überlegung auf die sogenannten no-equipment Workouts gestoßen. Hier ist eins, das ich mir für den Anfang überlegt habe (zunächst alles 3×5, kontinuierlich steigern):

Squads (Kniebeuge im Stand)
Crunches (Sit Ups)
Push Ups (Liegestütz)
Hanteln (oder irgendwelche Gewichte für Bizeps/Trizeps)

Für den, dem das nicht reicht, noch zwei Specials:
Superman (auf Bauch liegend Arme und Beine hoch)
Elbow Lift (sich auf Rücken liegend mit Ellbogen hochdrücken)

Viel Spaß!

Amerikanische Glücksfindung

Lesen war lange Zeit etwas, das mich eher abgeschreckt als interessiert hat. Das hat sich in den vergangenen Jahren zum Glück geändert, auch dank der Entdeckung des wunderbaren Haruki Murakami. Weil ich mich literarisch aber auch etwas breiter aufstellen und ein wenig Abwechslung in mein Lesen bringen wollte, habe ich mich gefragt, was für Bücher mich interessieren könnten. Ich kam dann schnell zu Büchern, die sich mehr oder weniger mit dem “Sinn des Lebens” befasst.
Zum einen war da “Das Café am Rande der Welt” von John Strelecky. Eine sehr kurzes Buch, was mir erst mal sympathisch erschien. Jetzt hatte ich mich vorher nicht genauer mit dem Autor befasst, sonst wäre mir vielleicht schon aufgefallen, worauf ich mich da einlasse. Auf 128 kompakten Seiten betritt der Leser das mysteriöse Café am Rande der Welt, in das sich der Protagonist scheinbar zufällig verirrt, und muss sich durch Pseudophilosophie und Küchenpsychologie hindurch kämpfen, sodass er gegen Ende des Buches das Verlassen jenen Ortes als eine Art Erlösung empfindet. Es mangelt leider an tiefgründigen Auseinandersetzungen mit den schwierigen Fragen des Lebens. Stattdessen lernen wir, dass es einfacher ist, mit dem Strom zu schwimmen, als gegen ihn. Strelecky verdient sich mit diesem Konzept allerdings schon seit Jahren seinen Lebensunterhalt, Millionen Menschen scheint das zu begeistern. Vielleicht ist das verborgene Ziel aber auch, die Qual des Lesens dieses Werkes zu erleben, um anschließend besonders dankbar für sein Leben zu sein.
Das zweite Buch, in dem ich hoffte, interessante Gedankenanstöße zum Leben an sich zu finden, war “Dienstags bei Morrie” von Mitch Albom. Der Sportjournalist erfährt aus dem Fernsehn, dass ein alter Professor von ihm, den er sehr schätzte, an ALS erkrankt ist und bald sterben wird. Darauf entscheidet er sich, ihn zu besuchen, woraus sich das Ritual ergibt, dass er jeden Dienstag zu ihm kommt, um über das Leben zu sprechen. Die Geschichte gewinnt ob der Tatsache, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt, an Emotionalität. Gestört hat mich, dass das Setting relativ langsam aufgebaut wird, wir aber dennoch wenig über Morrie erfahren. Auch werden einzelne Themen in einer Art abgehandelt, dass es zu jedem Thema (wie bspw. dem Tod) eine richtige Antwort / Weisheit gibt. Des Weiteren wird die Person Morrie hoffnungslos idealisiert und sehr unkritisch betrachtet. Gefallen haben mir hingegen die Einblicke in das Interaktionsverhalten und das Mindset von einem Charakter wie Morrie. Man kriegt eine ungefähre Vorstellung, woher er seinen Lebensmut nimmt, auch wenn der Fokus ausdrücklich nicht auf den Schwierigkeiten liegt, die er durchleben musste, um so zu werden, wie er ist. In der Schilderung zweier Bereiche brilliert das Buch: die Sicht auf Mitmenschen und den “Wert” von menschlichem Kontakt. Ich erinnere mich, hier einige Denkanstöße mitbekommen zu haben.
Von “Das Café am Rande der Welt” kann ich nur abraten, die Lektüre von “Dienstags bei Morrie” bereue ich nicht. Beide Bücher konnten meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Sie probierten, auf komplexe Fragen allzu einfache Antworten zu finden. Wenn man etwas über den Sinn des Lebens lesen möchte, ist es aber vielleicht auch eine falsche Strategie, sich Bücher anzuschaffen, die von sich behaupten, sich mit dem Sinn des Lebens auseinander zu setzen. Für mich ist dieses Konzept der amerikanischen Glücksfindung jedenfalls sehr unbefriedigend, weswegen ich in Zukunft die Finger von vergleichbaren Büchern lassen werde.

Russland

Guckt man sich dieser Tage Russland und Amerika an, könnte man meinen, der kalte Krieg hätte nie aufgehört. Sich im direkten Gegenüber die Köpfe einzuschießen hat sich in der Vergangenheit nicht bewährt, deswegen führt man lieber Stellvertreterkonflikte um politischen Einfluss aber eigentlich hauptsächlich um Ressourcen in Ländern, in denen sich wegen der desaströsen sozioökonomischen Lage niemand dagegen wehren kann. Oder man manipuliert eben im Verborgenen und tut dann so, als wisse man von nichts.
Ohne Frage ziemlich asozial und wenig zielführend. Und beide Seiten geben sich da relativ wenig. Die USA versuchen, Videos auf denen Soldaten offensichtlich Zivilisten und Journalisten ermorden, verschwinden zu lassen. Russland bombardiert ein Krankenhaus. Die NSA überwacht alles, Russland manipuliert den Wahlkampf. Eine Frau, die brutalste Foltermethoden angeordnet hat wird, Chefin der CIA. Von irgendwo her taucht ein tödliches Gift auf und erwischt einen ehemaligen russischen Agenten.
Das könnte man endlos so weiterführen und die Liste an unmenschlichen Gräueltaten würde  lang sein. Da geben sich auch beide Seiten nichts. Seit der Wahl Trumps sind auch die Führungsstile der Länder näher aneinander gerückt. Ziemlich eindeutig verdienen also beide Verachtung.
Doch findet in der öffentlichen Diskussion eine interessante Gewichtung statt. Da wird dann auf einmal das kriegerische Handeln der USA, das angeblich zur Verteidigung dient (denn sonst wäre es ja völkerrechtswidrig) in Schutz genommen. Zuletzt saßen in einer Runde bei Anne Will einige Menschen, um sich über ein relatiertes Thema zu unterhalten. Guckt man sich an, wer da saß, findet man schnell heraus, dass drei der Gäste im Vorstand der proamerikanischen Transatlantischen Brücke sitzen, also einem Interessen-/Lobbyverband. Das wird in der Sendung nicht erwähnt. Und sehr oft fällt mir auf, dass ich – obwohl ich versuche, mich relativ umfassend und ausgewogen zu informieren – kaum amerikaskeptische Berichte entdecke.
Außer in ziemlich linken Medien. Da wiederum sind die USA immer der Teufel. Und – noch viel erschreckender – Russland ist ganz lieb und unschuldig. Gut, im Bundestag ließen sich kürzlich auch einige Linke Politiker dazu hinreißen, die Annexion der Krim als widerrechtlich einzuordnen, aber nur in einem Nebensatz, der dazu diente, mit einem “, aber…” eine Kritik an Amerika einzuleiten.
Da frage ich mich schon, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht. Nur weil der eine blöd ist, heißt das nicht, dass der andere automatisch toll sein muss (und umgekehrt). In Russland steht es um die Menschenrechte deutlich schlechter, als in den USA. Und auch in anderen Vergleichen kommt die russische Föderation schlechter weg. Nur, weil Lenin irgendwann mal den Kommunismus ausprobiert hat, feiern sie jetzt ein Land, das autokratisch regiert wird und extrem weit weg von irgendeiner Idee von sozialer Gerechtigkeit existiert? Lieber würde ich sehen, dass die Bewertung beider Länder anhand ihres Handelns getroffen und nicht gegeneinander aufgewogen wird. Sonst kommen wir schnell in den ach so beliebten Whataboutism, der nur die Aufmerksamkeit umlenkt ohne eine inhaltliche Auseinandersetzung und somit auch ohne eine Veränderung zu bewirken.

Reichtum macht reich: wie Deutschland gerechter werden kann

Jens Spahn (CDU) hat vor ein paar Wochen behauptet, man könne gut von Hartz IV leben und, dass wir keine Tafeln bräuchten. Unlängst kam heraus, dass die Regierung den Hartz IV Satz künstlich runter gerechnet hat – u. a. um Milliarden an Einkommenssteuer zu sparen (höherer Hartz Satz = höherer Freibetrag). Insofern kann man Herrn Spahn vielleicht sogar Recht geben: mit dem “richtigen” Satz könnte man von Hartz IV leben. Über das “gut” kann man dann immer noch streiten. Immerhin hat die Regierung einen Abschied vom System Hartz angekündigt.
Auch bei den Tafeln hat er Recht: Deutschland ist ein so wohlhabendes Land, dass es problemlos möglich wäre, alle Menschen zu ernähren. Niemand müsste auf der Straße leben und keine privaten Organisationen müssten sich um die Verteilung von Essen kümmern. WENN das Land seiner Verpflichtung nachkommen würde, den Wohlstand zu nutzen, um dem Allgemeinwohl zu dienen. Da das nicht passiert und die Regierung hier scheinbar auch nach der Aufregung um die Essener Tafel, die nur noch Nahrung an “deutsche” Besucher ausgegeben hat (was auch eine höchst fragwürdige Entscheidung war), keine Veränderungen in Aussicht stellt, brauchen wir die Tafeln aber leider doch.
Dabei wären Veränderungen bitter notwendig. Während sich immer mehr Reichtum bei immer weniger Menschen versammelt (die zehn reichsten Deutschen besitzen über 50% des Vermögens [1]), gibt es immer mehr Menschen, die in Armut leben müssen (die ärmsten 50% besitzen gar kein Vermögen, wenn man ihre Schulden mit einbezieht) – also haben sie absolut (und nicht relativ) gesehen weniger Geld zur Verfügung. Und das in einem wohlhabenden Land. Die Schere zwischen arm und reich, die trotz der Beteuerung zahlreicher Regierungspolitiker, etwas dagegen tun zu wollen, immer weiter auseinander geht, ist ein eine Entwicklung, die in höchstem Maße gesellschaftsschädigend ist. Einkommensungleichheit ist eine Wachstumsbremse für ein Land. Sie hat außerdem Unzufriedenheit zur Folge, die mutmaßlich ihren Teil zum Ergebnis unserer letzten Bundestagswahl beigetragen hat. Des weiteren ist ein gewisser (finanzieller) Lebensstandard zur Zufriedenheit unerlässlich, wohingegen ab einer gewissen Grenze das Vermögen in keiner Korrelation mehr zur Zufriedenheit steht. Ein höheres Einkommen ist außerdem assoziiert mit einer besseren Gesundheit und höheren Lebenserwartung (keine Kausalität). Hier fällt einem unser Zweiklassengesundheitssystem ein. “Geld ist Macht” ist zudem leider ein treffendes Sprichwort.
Natürlich nehmen die “Reichen” den “Armen” das Geld nicht weg. Deswegen ist das Wort “Umverteilung” auch sehr irreführend. Die ärmsten Deutschen sind ja nicht arm, nur weil die reichsten Deutschen reich sind. Der wichtigste Akteur ist der Staat: er schafft die Rahmenbedingungen, die zu so einer Entwicklung überhaupt führen können. Und auch wenn unsere Regierung immer wieder betont, wie wichtig soziale Gerechtigkeit ist, sind entscheidende Mittel hierzu weitestgehend Tabu.
Ein höherer gesetzlicher Mindestlohn wird immerhin noch diskutiert. Hier muss die Regierung natürlich kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen, damit die daran nicht zugrunde gehen.
Auch die Debatte über Erhöhung der Hartz IV Sätze könnte nach der jüngsten Meldung über die “Schönrechnung” neu entfachen. Hier hören die Ideen dann aber auch auf.
Dabei wäre eine sehr effektive Maßnahme, die Einkommenssteuer im Spitzenverdienerbereich zu erhöhen. Der Satz liegt gerade bei 45%, die durch Freibeträge und Subventionen freilich nie erreicht werden.
Die 1997 abgeschaffte Vermögenssteuer könnte außerdem ein Mittel sein, um gegen das immer stärkere Anhäufen von Vermögen vorzugehen.
In Deutschland zahlt man auf Arbeit mehr Steuern als auf die Erträge durch Kapital. Wenn ich also einfach Geld besitze und das anlege, vermehrt sich mein Vermögen, ohne, dass ich irgendetwas dafür tue. Gehe ich für das gleiche Geld Arbeiten, muss ich einen deutlich größeren Anteil abgeben. Damit sich einfaches “Geld besitzen” nicht mehr lohnt als Arbeit, sollte die Kapitalertragssteuer erhöht werden.
Eine Finanztransaktionssteuer würde außerdem den Staat an den Geschäften des Finanzmarkts stärker beteiligen.
Zu guter Letzt sei auch noch die Erbschaftssteuer erwähnt. Circa ein Viertel der heutigen Superreichen sind deshalb reich, weil sie reiche Eltern hatten. Und das wären sie auch nach einer Besteuerung noch, nur eben etwas weniger. Ungefähr drei Prozent des Vermögens wird in Deutschland jedes Jahr vererbt. Davon sieht der Staat aber dank Sonderregelungen und Freibeträgen viel weniger.
Skeptiker befürchten bei Steuererhöhungen oft den Weggang der Besserverdiener oder den Wegzug von Firmen in andere Länder. Ich halte diese Befürchtungen für etwas übertrieben. Für die Regierung würde es natürlich bedeuten, die Unterstützung durch einige finanzstarke Gruppen zu verlieren – was aber der Gerechtigkeit nicht schaden würde.

Mit den Mehreinnahmen könnte der Staat auf direktem oder indirektem Weg viele Menschen aus der Armut heraus holen, ohne einen weiteren in die Armut zu schicken. Menschen in anspruchsvollen oder anstrengenden Berufen würden weiterhin mehr verdienen als welche in einfacheren. Es wäre eine gerechtere Welt mit mehr zufriedenen Menschen, in der jeder gut von Hartz IV leben könnte und wir keine Tafeln bräuchten.

Fußnoten:
[1] Diese Zahlen beruhen auf einer Umfrage. Vermutlich ist das Ergebnis noch extremer, denn die Teilnahme war freiwillig. Die aller Reichsten haben tendenziell vermutlich gar nicht teilgenommen.

Dieser Netflix Trick schaltet dir die geheimen Kategorien frei!

Hach ja, sorry für den Clickbait Titel. Ihn zu formulieren, fühlte sich sehr schmutzig an und hat mich beschämt. Trotzdem ist der Trick interessant: normalerweise kann man nur eine handvoll Genres auswählen. Es gibt tatsächlich noch viel mehr Kategorien, die man hier einsehen kann. Dann muss man nur noch die entsprechende Zahl an die URL https://www.netflix.com/browse/genre/ anhängen. So findet man unter https://www.netflix.com/browse/genre/2360 die “Critically-acclaimed Goofy Slapstick Comedies”. Das scheinen interne Kategorien zu sein, die Netflix nutzt, um die Empfehlungen, die euch angezeigt werden, nachdem ihr eine/n Folge/Film abgeschlossen habt, abzugeben. Viel Spaß beim Durchstöbern!

Top 5: SNES Spiele

Platz 5: Street Fighter 2 Turbo: Hyper Fighting
Von
den vielen Kampfspielen auf dem SNES war mir Street Fighter immer am liebsten, vermutlich aber auch, weil es mein erstes war. Konzept: leichte, mittelstarke und starke Schläge und Tritte so mit Richtungstasten zu kombinieren, dass coole Moves entstehen (oder wie ich als Kind: alle Knöpfe dauervergewaltigen bis ich Blasen an den Fingern habe). Was macht mehr Spaß, als seine Freunde zu verprügeln?

 

Platz 4: Super Mario All-Stars (+ Super Mario World 1 & 2)
Hinter diesem Titel verbergen sich zahlreiche Mario Spiele. Die Serie ist ein absoluter Klassiker und das Spielprinzip berühmt. Es gibt viele abwechslungsreiche Level, die sehr frustrierend sein können. Dafür gibt es aber auch kaum ein besseres Gefühl, als ein Level irgendwann zu beherrschen und mit viel Schweiß in Rekordgeschwindigkeit zu durchhüpfen.

 

Platz 3: Teenage Mutant Ninja Turtles IV: Turtles in Time
Zehn Stages mit ihren eigenen Endgegnern, alles der Zeichentrickserie entnommen und liebevoll umgesetzt. Im Koop ist es eine große Freude, sich durch Gegnerhorden zu prügeln und zu versuchen, die höhere Punktzahl zu erreichen. Auf der höchsten Schwierigkeitsstufe eine echt Herausforderung, aber durchaus zu schaffen und in jedem Fall spannend.

 

Platz 2: International Superstar Soccer Deluxe
Der wohl unbekannteste Titel in diesen Top5 ist meiner Meinung nach zu Unrecht ein Underdog. Mit zahlreichen Teams aus der WM von 1850 (oder so), die aber allesamt leicht veränderte Namen haben, weil die Entwickler anscheinend keine Rechte kaufen wollten, spielt man hier entweder alleine oder zu zweit gegen den Computer oder gegeneinander. Gefürchtet ist Brasiliens Topstürmer Allejo…manche sagen, er springt bis zum heutigen Tag über Blutgrätschen…

 

Platz 1: Super Mario Kart
Das Rennspiel ist ein zeitloser Klassiker. Eine sehr responsive Steuerung in Kombination mit leicht zu erlernenden, aber schwer zu meisternden Mechanics sorgt für nahezu unbegrenzten Spielspaß, entweder beim Versuch, alleine neue Streckenrekorde aufzustellen oder gegen Computer in immer anspruchsvoller und schneller werdenden Cups zu bestehen. Auch der VS Modus macht Spaß. Im Gegensatz zu Nachfolgerteilen werden hier Computer nicht langsamer oder schneller abhängig von der eigenen Position. Es gibt auch keine blauen Panzer. Hierdurch wird der erste Mario Kart Teil gleichzeitig zum kompetitiv brauchbarsten.

 

Falls du jetzt Lust auf das Super Nintendo Entertainment System bekommen hast, empfehle ich zum schnellen Start den SNES9x Emulator. Die ROMs, die ihr zum Spielen benötigt, dürft ihr, falls ihr sie bei Google findet, natürlich nur herunterladen, wenn ihr das Spiel auch besitzt.

Musikvorstellung: Kokomo

Nein, es geht nicht um den von den Beach Boys besungenen idyllischen Ort vor der Küste Floridas, wobei man auch in den Werken der Duisburger Band Kokomo eine Spur Eskapismus vermuten kann. Mit für Post-Rock typischen alternativen bzw. progressiven Klängen kreiert die linksgrünversiffte Band atmosphärische Lieder, die oft ohne Gesang auskommen. Ich kann eigentlich alle Alben uneingeschränkt empfehlen; unter obigem Link kann man sie – teils kostenlos – runterladen. Exemplarisch verlinke ich hier ihr letztes Album von 2016, beginnend bei der namensgebenden Single.

Im Juni spielt Kokomo übrigens ein ganz besonderes Konzert: unter dem Titel “Beauty in Simplicity” spielt die Band in ihrer Heimatstadt ein Konzert, bei dem sie Stücke von Künstlern wie Philip Glass oder Moderat interpretiert gemeinsam mit dem Streichquartett der Philharmoniker und Klavier.