Corona mich nicht voll!

Falls du gerade vom Hamsterkauf nach Hause kommst oder in FFP2 Maske durchs Internet surfst, enttäuscht dieser Beitrag dich vielleicht. Denn ich komme zu dem Schluss, dass die medial befeuerte Hysterie über Covid-19 unnötig ist.

Hard Facts
Weltweit gibt es 85000 Infizierte (Live Map). Das Virus verläuft in ungefähr 80% der Fälle weniger schlimm als eine gewöhnliche Grippe. 15% der Fälle verlaufen schwer, 5% kritisch, die Mortalitätsrate beträgt 2%. Wahrscheinlich sind diese Zahlen sogar noch zu groß, da der Verlauf oft so milde ist, dass Leute gar nicht zum Arzt gehen und somit nicht erfasst werden. Bisher sind weltweit schon 40.000 Menschen wieder genesen, 3000 gestorben, davon waren lediglich 0,5% unter 50 und fast alle schwer vorerkrankt.

Wie kann ich mich sicher vor Covid-19 schützen?
Gar nicht. Durch regelmäßiges Händewaschen und –desinfizieren (Video) lässt sich das Risiko, sich anzustecken, reduzieren. Sich nicht ins Gesicht zu packen, würde helfen, aber probier’ das mal! Es wird dir nicht gelingen. Außerdem besteht weniger Gefahr einer Exposition, wenn man einfach weniger dahin geht, wo sich andere Menschen aufhalten. FFP2/3 Masken brauchen höchstens Mitarbeiter in Krankenhäusern mit andauerndem Kontakt zu infizierten Personen. Im Alltag kontaminiert man die sowieso früher oder später.

Niesetiquette
Dadurch, dass man sich schützt, schützt man auch seine Mitmenschen. Wer Fan von Mitmenschenschutz ist, kann weiterhin darauf achten, beim Niesen einen guten Meter von Anderen entfernt zu stehen und in ein Einmaltaschentuch (danach Hände desinfizieren) oder die Armbeuge zu niesen. Zusätzlich könnte man noch einen Mundschutz tragen und hoffen, dass der die meisten Keime zurückhält. Vor Ansteckung schützt der nicht.

Was tue ich bei grippeähnlichen Symptomen?
Zu Hause bleiben. Sollten die Symptome schwer werden, Arzt oder Krankenhaus anrufen.
Und das war es auch schon. Mehr kann man nicht tun. Du wirst wahrscheinlich nicht erkranken. Falls du dich ansteckst, verläuft die Krankheit wahrscheinlich nur leicht. Falls sie doch schwer verläuft, stirbst du wahrscheinlich nicht daran. Und falls doch, ist eh alles egal, denn dann bist du tot.

Fazit
Wir werden alle sterben. Nur eben nicht an Covid-19. Es gibt keine Sicherheit. Ob zu Hause oder draußen, es erwarten dich überall Gefahren, die wahrscheinlicher und tödlicher auftreten als dieses Virus. Also: Ab auf die Wiese zum Spielen – mit Abstand zu den anderen Kindern! Und – wenn du nicht vom Auto überfahren wurdest – danach brav die Hände waschen!

Die wichtigen Themen unserer Zeit

Nachrichten und Zeitungen melden in der Regel vermehrt das, was ihnen Aufmerksamkeit beschert. Das birgt ein Problem: Themen, die einem nicht unmittelbar als relevant oder interessant erscheinen, geraten in Vergessenheit. Was sind eigentlich die wichtigen Themen unserer Zeit?
Da gäbe es die globale Erwärmung. Von einigen noch als Märchen abgetan, ist sich die Mehrheit der wissenschaftlichen Welt sicher, dass eine durch Menschen beeinflusste globale Erwärmung stattfindet. Aktuelle Prognose malen ein düsteres Bild über die Verfügbarkeit von Lebensmitteln und den Wandel von verfügbaren Lebensraum. Länder wie die USA oder China, die ungefähr 38% des weltweiten CO2 ausstoßen, scheinen das aufgrund kurzfristiger Interessen zu ignorieren. Zum Vergleich: Deutschland trägt ungefähr 2% der Emissionen bei.
Daneben herrschen circa 20 Kriege und 350 bewaffnete Konflikte auf der Welt. Letztere haben für uns (= Menschen in Deutschland) wegen ihres lokalen Charakters geringere Bedeutung. Afghanistan, Syrien und Yemen sind da schon bedeutungsvoller. Im Hintergrund geht es dabei um die wirtschaftliche Position einiger Atommächte. Bei deren nationalen Interessen ist eine diplomatische Lösung im Moment undenkbar, aber eigentlich notwendig.
Der Blick auf die internationale Bühne ist frustrierend. Schauen wir also ins eigene Land. Schauen wir in die Zukunft. Nach dem gegenwärtigen System werden wir im Alter große Probleme mit der Finanzierung der Rente bekommen. Ein Plan zur Finanzierung wäre notwendig.
Mit der Allgegenwart von Computern steigen auch die Möglichkeiten, diese einzusetzen. Viele Dienstleistungen & Planungsverfahren können digitalisiert werden, Kommunikation erfolgt mehr und mehr elektronisch. Trotzdem fühlen sich viele Menschen mit dem Gebrauch neuer Technik überfordert. In den Schulen wird viel zu wenig Wert darauf gelegt, Schülern den Umgang mit und die Technik hinter Computern zu vermitteln. Die Risiken, die diese Entwicklung mit sich bringt kann, werden zu wenig beleuchtet. Das ist zum einen ein bildungspolitisches Thema. Zum anderen muss man überlegen, was man mit Menschen macht, deren Berufe durch Digitalisierung verschwinden oder die nicht in der Lage sind, die neue Technologie zu bedienen.
Das dahinter liegende Thema glaube ich Gerechtigkeit. Um sich damit auseinanderzusetzen, muss man gar nicht unbedingt in die Zukunft blicken, sondern kann in der Gegenwart bleiben. Dadurch, dass Reichtum reich macht, geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Das ist in der Regel schlecht für eine Gesellschaft. Die Herausforderung besteht darin, den schlechter Qualifizierten und Verdienenden einen lebenswerten Platz im System zu schaffen und gleichzeitig Leistung nicht unattraktiv zu machen. Hierbei könnte man sich auch das Gesundheitssystem genauer angucken.
Zu guter Letzt ist da noch eine Sache, die mir persönlich am Herzen liegt, nämlich Werte. In einer Kultur, in der Individualismus und Leistungsfähigkeit besonders betont wird, haben es Menschen, die hinter dem Standard zurückbleiben, oft schwer. Indem man sich mehr auf das eigene Wohlergehen als das aller konzentriert, geht es einem kurzfristig sicher besser. Langfristig jedoch kann das fatale Folgen für eine Gesellschaft haben. Es bedürfte auch auf öffentlicher Ebene einer bewussteren bzw. nuancierteren Auseinandersetzung mit dem, was uns als Menschen ausmacht und dem Schaden, den egoistische Handlungen verursachen können. Wie kann ein Miteinander aussehen, auch, wenn es große Unterschiede in Meinungen gibt?

Alle diese Bereiche sind unglaublich komplex und werden nicht leichter zu überschauen, je mehr Interessensverbände es in ihnen gibt. Es kann aber nicht schaden, sich hin und wieder zu vergegenwärtigen, was wirklich wichtig ist.

Terminservice- und Versorgungsgesetz – Petition

Die 50000 Unterschriften, die nötig sind, damit der Bundestag sich mit dem Thema befassen muss, sind zwar bereits erreicht, jedoch dürfte eine möglichst große Anzahl an Unterschreibenden symbolischen Wert haben.
 

Jens Spahn hatte die Idee, dass erst eine externe Person mit einem psychisch kranken Menschen sprechen soll, die dann beurteilt, ob dieser überhaupt eine Behandlung braucht, bevor selbiger Mensch ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten haben darf.
Zum Vergleich: Hast du eine körperliche Krankheit, gehst du zum Arzt (Fachperson für körperliche Krankheiten), der dann über die Behandlung entscheidet. Hast du eine psychische Krankheit, müsstest du bei der von Spahn vorgeschlagenen Neuregelung erst mal zu einem Beurteiler, dem dein Herz ausschütten und anschließend – wenn er es für nötig hält – zu einem Psychotherapeuten (Fachperson für psychische Krankheiten).
Bisher ist es eigentlich schon unnötig kompliziert: Du gehst zum Psychotherapeuten (Fachperson für psychische Krankheiten), der muss nach fünf Behandlungsstunden einen Antrag auf Therapie schreiben und den einem Gutachter (Fachperson für psychische Krankheiten) vorlegen, der dann entscheidet, ob die Therapie so stattfinden kann.

 
Wenn du also gegen eine noch komplizierte Neuregelung bist, die es psychisch Kranken noch schwerer macht, an einen Therapieplatz zu kommen, als ohnehin schon, dann unterschreibe doch die Petition. Geht auch ganz schnell.

Wissenschaftliche Studien – Science 101

Immer wieder liest man irgendwo von irgendwelchen Studien, die etwas Bahnbrechendes herausgefunden haben, wie z. B., dass ein Glas Rotwein am Tag total gesund ist. Ein paar Monate später fällt einem dann eine weitere Studie auf, die zu dem Ergebnis kommt, dass ein Glas Rotwein am Tag total ungesund ist. Wie kann so etwas sein?
Anlass für diesen Post waren zwei Meldungen, die ich gestern und heute gesehen habe. Die eine stammte von der Tagesschau. Sie eröffnete mit der Frage “Warum wirken Placebos?”.  Anschließend wurden darin einige Aussagen mit Möglichkeitsformulierung “…kann helfen…” und andere ohne (“Placebo Patienten brauchten keine Untersuchung mehr”). Die andere stammte von 1live. Sie begann mit den Worten “Eine Studie fordert…”. Solche leicht rezipierbaren, viel ge-like-te und geteilte Informationen sind in meinen Augen ein großes Problem, denn sie offenbaren ein fundamentales Missverständnis über die Wissenschaft, ihre Methode und über das, was man aus Studienergebnissen schlussfolgern kann.
Eine gute Studie ist üblicherweise so aufgebaut: Es gibt eine Versuchsgruppe und eine Kontrollgruppe. Man überprüft, ob die beiden Gruppen sich voneinander unterscheiden in Bezug auf einen bestimmten zu untersuchenden Faktor. Wenn man beispielsweise untersuchen will, ob Psychopharmaka wirken, nimmt man eine Gruppe von psychisch Kranken, und gibt ihnen Medikamente (Versuchsgruppe) und eine andere, der man keine Medikamente gibt (Kontrollgruppe). Wichtig ist, das die Gruppen sich möglichst in allen anderen Variablen ähneln. Der untersuchte Faktor sind also die Medikamente. Den Patienten gibt man zu Anfang einen Fragebogen darüber, wie sie sich fühlen (Baseline). Nach einer bestimmten Zeit X gibt man ihnen den wieder und guckt, ob es Unterschiede in der Entwicklung beider Gruppen gibt. Wenn diese Unterschiede größer sind, als der Zufall es erklären würde – um das zu ermitteln, benutzt man Methoden der Statistik – , spricht man von Signifikanz. Signifikanz heißt also erst mal nur, dass es einen Unterschied zwischen der Versuchsgruppe und der Kontrollgruppe gibt. Da die Gruppen sich in wesentlichen Aspekten ähneln, geht man davon aus, dass dieser Unterschied durch den Faktor (also im Beispiel die Medikamente) hervorgerufen wurde. An dieser Stelle kommt die Effektstärke ins Spiel: Dieser Wert sagt nämlich aus, zu welchem Teil die Veränderung (von vor der Medikamentennahme bis zum Zeitpunkt X) auf den Faktor (die Medikamente) zurückzuführen ist. Bei vielen Psychopharmaka ist es so, dass die Studienlage signifikante Ergebnisse liefert. Man kann also einen Unterschied zwischen medikamentös Behandelten und Unbehandelten feststellen. Jedoch ist die Effektstärke dieser Studien oft verschwindend gering. Das heißt, dass es medikamentös behandelten Patientin besser geht, aber nur ein Klitzekleines Bisschen besser.
Deswegen ist die Aussage von oben, dass Placebos “helfen können” (Signifikanz) richtig. Sie lässt aber wichtige Informationen zum Kontext (Effektstärke) aus. Die Aussage, dass Placebo Patienten keine Untersuchung mehr brauchten, ist falsch. Sie klingt so, als würde das für alle Menschen gelten (Effektstärke). Außerdem fehlt hier auch Kontext: Brauchten sie nach eigenem Ermessen keine Untersuchung mehr? War diese ärztlich nicht indiziert? Mir ist klar, dass die Tagesschau den Sachverhalt vereinfachen will, um ihn zugänglicher zu machen und für eine breite Masse veröffentlichen zu können. Aber gerade solche Verallgemeinerungen und Ungenauigkeiten sind es, die zu Fehlinformationen führen. Denn Menschen merken sich eben meist nur diese einfachen Botschaften. Das ist in dem Rotweinbeispiel noch relativ harmlos, kann aber in anderen Bereichen schnell riskant werden.
Die wissenschaftliche Methode umfasst noch ein weiteres wichtiges Prinzip, nämlich das der gegenseitigen Überprüfung. Dazu werden sogenannte “peer reviews” eingesetzt: Andere Forscher als die ursprünglichen gehen hin, lesen sich den Versuchsaufbau der ursprünglichen Studie durch und replizieren diese unter möglichst gleichen Bedingungen, um die Ergebnisse zu verifizieren. Dieses System hat gerade in der Sozialpsychologie zu einem kleinen Skandal geführt, da sich zahlreiche bekannte und vielzitierte Studienergebnisse gar nicht wiederholen ließen. So wirkt sich das Einnehmen einer selbstbewussten Pose nicht auf das Selbstbewusstsein aus, wer lacht, fühlt sich nicht glücklicher, Selbstbeherrschung ist keine begrenzte Ressource, wer Wörter hört, die mit Altern zu tun haben, läuft danach nicht langsamer über einen Flur, wenn wir an Geld erinnert werden, werden wir nicht egoistischer und Oxytocin führt nicht dazu, dass man mehr kuscheln will oder sozialer wird. Das Gegenteil von all diesen Aussagen wurde tausendfach zitiert, bis sich herausstellte, dass man es nicht replizieren konnte.
Wissenschaft verfolgt dabei auch kein Ziel. Eine Studie sollte immer ergebnisoffen angelegt sein. Oder würdet ihr einer Studie von Bayer glauben, dass Glyphosat ganz bestimmt nicht krebserregend ist? Oder würdet ihr die Leute, die den größten finanziellen Gewinn aus dem Studienergebnis ziehen würden, die Studie selbst ausführen lassen? Ja, würdet ihr, die Bertelsmann Stiftung, die maßgeblich an der Entwicklung von Hartz 4 beteiligt war, hat Studien über die Effekte von Hartz 4 selbst durchgeführt. Es reicht also nicht, eine Studie inhaltlich zu überprüfen, man muss sie auch in ihrem Kontext betrachten.
Deswegen würde eine gute Studie auch niemals irgendetwas “fordern”, so wie es in oben genanntem Beispiel von 1live der Fall ist. Entweder, die Studie kommt zu dem Schluss, dass es bspw. besser für die Verlangsamung der Erderwärmung wäre, weniger Diesel zu verbrennen, und jemand hat daraus im Nachhinein eine Forderung gedichtet. Oder die Autoren haben wirklich etwas gefordert, was eine politische Agenda suggeriert und die Studienergebnisse nicht glaubwürdiger macht als die von Bayer und Bertelsmann.
Achtet also gut darauf, was Studien eigentlich genau untersucht haben, ob es Versuchs- und Kontrollgruppe gab & wie diese ausgewählt wurde, was signifikante Unterschiede bedeuten und ob sich Aussagen oder Hinweise auf die Effektstärke finden. Und kann eine Studie überhaupt eine Aussage über Kausalität treffen (z. B. wenn es keine zwei Gruppen gibt), oder geht es nur um Korrelation, also das gleichzeitige Auftreten zweier Beobachtungen. Für das Rotweinbeispiel gilt leider: Alkohol ist wahrscheinlich nie gesund. Der Lichtblick: In geringen Mengen und ohne regelmäßigen Konsum ist er vermutlich auch nicht so schlimm.

Über das Thema der wissenschaftlichen Methode könnte man ganze Bücher schreiben. Ich habe hier versucht, in möglichst verständlicher und kompakter Form eine grobe Orientierung für das Bewerten von medialen Meldungen über Studienergebnisse zu geben.

Die Liebe zum Diesel

Alle großen Autokonzerne haben bei Tests zur Bestimmung der Abgaswerte – also dem Wert, der angibt, wie sehr ihre Autos die Luft vergiften – vorsätzlich betrogen. Dadurch konnten sie Kosten einsparen und sich um Milliarden Euro bereichern. Jetzt tritt ihnen der Rechtsstaat mit seiner vollen Härte entgegen. Die Autokäufer haben zwei Möglichkeiten. Entweder, sie lassen die Software in ihrem Wagen kostenlos updaten. Das hat dann zur Folge, dass der Wagen deutlich mehr Sprit verbraucht, ihr Auto für sie also teurer wird. Oder, sie verkaufen ihren alten Wagen zurück an den Konzern und erhalten eine Geldsumme, die irgendwo zwischen zwei und fünf Prozent des Wertes eines Neuwagens liegt (die Summe wird übrigens zu 80% vom Bund finanziert)…aber nur, wenn sie auch gleichzeitig einen Neuwagen kaufen. Die Logik dahinter ist folgende:
“Sie wurden von ihrem Autohersteller angelogen und haben dadurch eine Kaufentscheidung getroffen, die sie sonst vielleicht nicht getroffen hätten? Kein Problem, kaufen Sie doch bei dem gleichen Hersteller noch ein Auto mit einem kleinen Rabatt. Ihr altes Auto wird dann einfach in einem anderen Land nochmal verkauft. So haben Sie den Wagen, den sie eigentlich haben wollten und der Autobauer kann gleich doppelt so viele Autos verkaufen. Faire Kompensation, oder?”. Eine Belohnung für Lug und Betrug als Leistung für den Bürger verkaufen…an Dreistigkeit kaum zu überbieten.
Dass so etwas überhaupt möglich ist, zeigt nur ein weiteres Mal, wie groß der Einfluss der Autolobby in Deutschland ist. Und das ist ein Problem, denn er ist nicht demokratisch legitimiert. Ohne diese Autolobby wäre vielleicht auch schon das Netz des öffentlichen Verkehrs in einem deutlich besseren Zustand und wir bräuchten gar nicht mehr so viele Autos. Denn die sind neben ihren Anschaffungskosten auch im Unterhalt sehr teuer. Viele versteckte Kosten lauern in Wartung, Verschleiß, Treibstoff und Versicherung. So lange man nicht mit mehreren Menschen in einem Auto sitzt, ist das eigentlich immer teurer als öffentliche Verkehrsmittel. Leider sind die Dinger auch international wichtig. Guckt man zum Beispiel auf die Türkei, wird einem schnell klar, dass Erdogan Deutschland neben ziemlich vielen Flüchtlingen auch ziemlich viele Autos abnimmt. Daher sind die Beziehungen zu der Türkei auch so wichtig. Zuletzt gab es dann doch mal kritische Überlegungen diesbezüglich. Es ging um Dieselfahrverbote. In manchen Städten. Auf manchen Straßen. Zu manchen Uhrzeiten. Als wären diese Einschränkungen nicht schon aberwitzig genug, haben sie eigentlich nur zur Folge, dass der Verkehr in den Städten chaotischer wird, weil die Dieselfahrer Umwege fahren müssen. Die dann auch länger sind. Wenn sie überhaupt von der Regelung betroffen sind, weil es auch da nochmal Ausnahmen gab. Man merkt, der Kampf gegen Autos scheint nicht zu gewinnen zu sein.
Um das jetzt mal etwas überspitzt zu formulieren: Wir haben da einen Staat, der dabei zusieht, wie jährlich eine vermutlich sehr große Anzahl Menschen an den Folgen der verschmutzten Luft stirbt. Die Autoindustrie, die die Geräte für diese Verschmutzung herstellt, bereichert sich durch den Betrug an allen Autokäufern. Und als Ergebnis wird sie damit belohnt, noch mehr Autos verkaufen zu dürfen. Natürlich würde der Mentalitätswandel weg vom Auto wirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Aber er würde auch neue Möglichkeiten eröffnen. Vor allem würde er uns weg von einer umweltpolitischen und moralischen Bankrotterklärung hin zu einem gesünderen und effektiveren Leben leiten.

#wirsindmehr

Nachdem der genau wie seine Partei allseits beliebte Heiko Maas dazu aufgerufen hatte, dass die Menschen die Demokratie wieder mehr auf die Straße bringen müssen, ließ ich es mir nicht nehmen, an einer Demonstration teilzunehmen. In meinem feinsten Antifa-Zwirn gekleidet machte ich mich also auf zum Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofs. Vor dem Westeingang hatte die Polizei bereits durch Wellenbrecher eine Lagertrennung eingerichtet: rechts die Rechten, links die Linken. Meine erste Sorge, anzukommen und nicht zu wissen, wer wer ist und somit nachher noch im falschen Lager zu landen, war verflogen.
Auf der deutlich menschenreicheren linken Seite angelangt, stellte ich mich relativ zentral in die Menge und beobachtete meine Umgebung. Umgeben von bunthaarigen Leuten, die anscheinend der Idee von Arbeit genauso abgeschworen hatten wie der von Körperpflege, kamen mir die ersten Zweifel, ob ich hier wirklich dazu gehöre. Allerdings machten die nur einen kleinen Teil der Gruppe aus. Ebenso vertreten waren Schüler*innen, Student*innen und ältere Menschen, die ich der Kleidung nach am ehesten als mittelständische Lehrer*innen einordnen würde. Es lebe das Vorurteil! Was mich zusätzlich bedenklich stimmte, war die Menge an alkoholischen Getränken: sollte das eine Party sein oder ein politischer Protest? Die Organisatoren aus der linken Szene schienen so links zu sein, dass sie allein die Planung einer solchen Demonstration als Einschränkung ihrer Freiheit zu begreifen schienen, sodass sie leider keine leistungsfähigen Boxen und nur spontan einen Auftritt von der glorreichen Band “Kochkraft durch KMA” auf die Beine stellen konnten.
Deren Konzert wurde immer mal wieder unterbrochen, wenn es zu wilden Schlachtrufaustauschen mit der Gegenseite kam. Bei dem sehr ehrlichen Kanon der Linksfraktion “Ohne den Verfassungsschutz wärt ihr nur zu dritt” musste ich genau so herzlichen lachen, wie über den Rufgesang des Drummers der Band, der beim Anblick der Deutschlandflaggen auf der rechten Seite des Bahnhofs anfeuernd ins Mikrofon rief: “Belgien!”. Es scheint eine faszinierende Wahrheit zu sein, dass Humor nur die Linken können. Oder fällt irgendwem eine gute rechte Satire ein? Nein, die CSU zählt nicht.
Als die Menge aber anfängt, Rufe wie “Nazis raus!” zu skandieren, werde ich doch etwas nachdenklich. Nicht wegen meiner grenzenlosen Liebe für Nationalsozialisten, den Holocaust und Hitler, sondern, weil ich mich frage, ob da auf der anderen Seite wirklich (nur) Nazis stehen. Und selbst dann wäre ich noch skeptisch, denn eigentlich bin ich kein Fan von Konstrukten wie “‘wir’ gegen ‘die'”. Eingeleitet wurde die Demo der Linken durch eine Information, gegen was demonstriert wird, worauf hin direkt die Ergänzung erfolgte, dass man ja eigentlich für etwas demonstrieren wolle. Letzteres wäre etwas gewesen, das ich begrüßt hätte. Ich stand dort, weil ich zeigen wollte, dass rechte Kräfte eine deutliche Minderheit in Deutschland darstellen. Und weil ich dafür bin, dass Menschen gleich, gerecht und vorurteilsfrei behandelt werden. Vorurteilsfrei ist es sicher nicht, die komplette Gegenseite pauschal als Nazis abzustempeln. Denn aus Interviews weiß ich, dass auf der anderen Seite nicht nur Leute standen, die alle Ausländer scheiße finden, die sich Hitler zurück wünschen, die Juden vergasen möchten oder die der Auffassung sind, es gäbe eine Herrenrasse, die man verteidigen müsse. Da stand auch der Vater dreier Töchter, der wütend ist und Angst hat, dass alle seine Kinder von Flüchtlingen vergewaltigt und ermordet werden. Dass es sich dabei natürlich um eine ziemlich verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung handelt, ist offensichtlich. Aber diesen Mann als Nazi zu beschimpfen, halte ich auch für überzogen. Und so gibt es in diesem Land viele Menschen, die wegen irgendwas frustriert sind oder die Angst vor etwas haben, denen wenig Verständnis entgegengebracht und stattdessen ein demokratisch nicht legitimiertes “Wir schaffen das!” einer mehr als überforderten Bundeskanzlerin übergestülpt wurde.
Vielleicht waren da auf der Gegenseite sogar Menschen, die die gleichen Punkte an der Flüchtlingspolitik kritisieren, wie ich. Und auf einmal erschien es mir ziemlich albern, die Menschen in zwei Gruppen zu spalten und gegeneinander auflaufen zu lassen. Andererseits ist es natürlich nicht okay, sich mit Gewalttätigen, die gezielt Ausländer angreifen, und Menschen einzulassen, die öffentlich den Hitlergruß zeigen. Wer also an der Seite solcher Menschen steht, muss ja irgendwie im Unrecht sein. Kurz nachdem das Konzert zu Ende ist, verließ ich nach circa zwei Stunden Demo den Platz und war froh, meine Haltung ausgedrückt und ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut gesetzt zu haben. Zu Hause angekommen erfuhr ich dann, dass es bei der eigentlich friedlichen Demo doch noch zu einem Zwischenfall kam: Kurz, nachdem ich weg war, hatte wohl eine Gruppe von hundert linken Vermummten die Gruppe von Rechten angegriffen, sodass sie von der Polizei mit Gewalt und Pfefferspray zurückgetrieben werden musste. Wer an der Seite von Gewalttätigen steht, muss im Unrecht sein. Oder wie war das?
Von da, wo ich stand, konnte ich fast nichts (außer einer einsamen Deutschlandflagge) von der Gegendemo sehen. Am Ende des Tages erfuhr ich, dass auf der linken Seite etwa 1500 Menschen den 50 auf der rechten Seite gegenüberstanden. Das machte mich dann doch – trotz fehlendem Diskurs – sehr glücklich. Das “rechte Problem” hat denke ich viel mit den Reaktionen von Politik und Medien zu tun. Pauschalisierung und Vorverurteilung sind ebenso schädlich wie die von irgendwelchen Asozialen ausgehende Gewalt, die nichts mit rechts oder links zu tun hat. “Wir” sind mehr. Wer auch immer “wir” sind.

Psychotherapeutische Unterversorgung

In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die ambulante Psychotherapie. Das sind im Fall einer “normalen” Langzeitpsychotherapie fünf probatorische Sitzungen, um sich kennenzulernen und 60 Sitzungen à 50 Minuten. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) der jeweiligen Region vergibt hierfür die Plätze für ambulante Psychotherapeuten (und Ärzte). Die Abrechnung erfolgt ebenfalls zwischen den Psychotherapeuten und der KV. Die wiederum hat mit den Kassen vorher festgelegt, wie viel Geld ihr zur Verfügung steht. Das bemisst sich allerdings nicht nach sinnvollen Faktoren wie Demografie, Sterblichkeitsrate, Zahl der tatsächlich Erkrankten oder der Therapeutenzahlentwicklung, sondern anhand der Veränderung der sogenannten Grundlohnsumme, die eigentlich nichts über den Bedarf an psychotherapeutischen Kassensitzen aussagt. Gäbe es mehr Kassensitze für Psychotherapeuten, müsste die KV also mehr zahlen. Deswegen hat sie kein Interesse daran, neue Kassensitze zu kreieren. Und das, obwohl das dringend notwendig wäre. Gerade in NRW ist die Versorgung schlecht. Das ist auch dank eines Tricks möglich: Großstädte in NRW werden nicht als solche, sondern als “Sonderregionen” berechnet, für die andere Vorgaben gelten. Zur Folge hat das, dass Patienten im Durchschnitt sechs Monate auf einen freien Platz für ambulante Psychotherapie warten müssen. Vor dem Hintergrund, dass die Prognose für eine Genesung im Laufe der (unbehandelten Zeit) immer schlechter wird, ist das besonders dramatisch.
Einige Patienten gehen dann zu einem Psychiater, also einem Mediziner, der den Facharzttitel für Psychiatrie erworben hat. Der hat nicht ein Mal die Woche 50 Minuten Zeit. Ich habe mal gelesen, dass ein Psychotherapeut im Jahr ungefähr 50 Patienten sieht. Beim Psychiater sind es 700. Man kann sich ausmalen, wie so ein Kontakt dann abläuft. Nur Medikamente zu nehmen ist (meistens) keine leitlinienkonforme Behandlung einer psychischen Erkrankung.
Es gibt das Prinzip der Kostenerstattung: Demnach muss eine Krankenkasse einem Patienten, der nachweisen kann, dass er bei einigen Therapeuten angerufen und nirgendwo innerhalb weniger Wochen einen Platz zugesagt bekommen hat, eine ambulante Psychotherapie auch bei einem Therapeuten zahlen, der keinen Kassensitz hat (also auf privater Basis behandelt). Die meisten Menschen kennen diese Regel gar nicht. Von psychisch Kranken zu erwarten, dass sie sich darum alleine kümmern können, grenzt überdies an Zynismus.
Dabei müsste es ein größeres Interesse an der Verbesserung der ambulanten Versorgung geben. Die unbehandelten psychischen Erkrankungen verschlimmern sich in der Regel. Irgendwann landen die Patienten dann in der Psychiatrie. Im vollstationären Bereich muss hier 24/7 sowohl die Verpflegung gegeben und ein Behandlungsteam anwesend sein (und bezahlt werden). Arbeitgeber müssen Lohn weiter zahlen, obwohl die Krankheitswochen pro Jahr bei psychischen Krankheiten oft über fünf Wochen betragen. Das Risiko auf Chronifizierung steigt, irgendwann betrifft es dann auch die Rentenkassen. Auch das Risiko auf Suizid steigt.
Die Lösung müsste eine politische sein. Wenn man sich jedoch anguckt, wie schwer sich unsere Regierung mit der Verbesserung der Pflege tut, möchte man sich gar nicht erst vorstellen, wie schwer sie sich mit der psychotherapeutischen Versorgung tun wird.

Zensur im Gewand vom Urheberschutz

Worum geht es?
In der EU soll ein Gesetz verabschiedet werden. Hintergrund: Google, Facebook, Twitter und andere besorgen sich Nachrichten, Texte und andere urheberrechtlich geschützte Werke, um sie – meistens in kleinen Teilen – auf ihren Seiten darzustellen. Konkret könnte es hier zum Beispiel um einen Zeitungsartikel gehen, dessen Überschrift, Titelbild und erste Textzeilen in einer Vorschau auf einer der genannten Seiten auftauchen. Dadurch wird das Urheberrecht verletzt und die Unternehmen können sich so an den Leistungen anderer bereichern, ohne dafür zu zahlen. Das soll sich durch das Gesetz ändern.

Was spricht dafür?
Es darf wirklich nicht sein, dass Plattformanbieter sich durch das geistige Eigentum anderer bereichern, ohne dafür Abgaben zu zahlen. Die Bereicherung erfolgt vor allem durch Werbung. Auf dem Gebiet der Onlinewerbung beherrschen in der EU zwei große Unternehmen – man könnte von einem Duopol sprechen – den Markt: Google und Facebook. Durch ihre Stellung gibt es für Konkurrenz wenig bis keine Chance und die Prognose deutet eher auf einen Wachstum des Anteils an der Gesamtonlinewerbung hin. Mit der Werbedominanz würden so nach und nach Verlage verdrängt werden, was einer Informationsdominanz gleichkäme. Das war vor 30 Jahren noch kein Problem, denn da war der Leser ja an die jeweilige Zeitung gebunden, um seine Informationen zu beziehen und die hat dann die Urheber bezahlt.

Was spricht dagegen?
Technisch müsste das Vorhaben durch einen Upload Filter umgesetzt werden. Das würde bedeuten, dass alle Plattformen eine Software etablieren müssten, die sämtliche Dinge, die hochgeladen werden, mit einer Datenbank, in der alle durch das Urheberrecht geschützten Materialien erfasst sind, abgleichen müsste. Diese Software würde dann entscheiden, ob etwas gegen das Urheberrecht verstößt und somit blockiert werden müsste. Das ist technisch schwer bis gar nicht umsetzbar, schon gar nicht für kleine oder mittelgroße Plattformen. Auch für große Plattformen, wie bspw. Wikipedia (die haben zig tausend Uploads jeden Tag), könnte das das Aus bedeuten.
Youtube nutzt hierfür die sogenannte ContentID. Dieses System ist extrem schlecht, denn es meldet viel zu viele “False Positives”, sperrt also oft Inhalte, die gar nicht gegen das Urheberrecht verstoßen. Wenn man solche Systeme jetzt noch etwas genauer betrachtet, liefert das vorgeschlagene Gesetz in der Essenz die Basis für eine Zensur des gesamten Internets. Es wird eine Infrastruktur etabliert, die quasi den gesamten Netzverkehr überwacht und einzelne Inhalte blockieren kann. So etwas gibt es bisher in der Form zum Beispiel in China; dort sperrt der Staat einfach alles, was ihm nicht passt. Links, Memes, Parodien und Propgrammierportale hätten ein Problem. Das Internet, wie wir es kennen, könnte mitsamt seiner Meinungsfreiheit vor dem Ende stehen.

Was wäre besser?
Besser wäre bspw. eine Regelung zu finden, bei der das Allgemeinwohl und nicht das Wohl großer Verlage im Vordergrund steht. Zeitungen trifft neben der Digitalisierung, bei der sie sich sehr schwer tun, vor allem der Wegfall der Werbeeinnahmen. Die gehen an die Konzerne, die die meisten Daten über uns haben und somit die besten Profile über uns erstellen können. Wenn man diese Werbung reglementieren würde, würden sich die hierdurch entstehenden Einnahmen vermutlich wieder anders verteilen. Außerdem sollte man tunlichst davon absehen, selbst kleinste Linkschnipsel als geistiges Eigentum zu betrachten;

Fun Facts
Die Idee von Upload Filtern war auch Thema bei den Koalitionsverhandlungen in Deutschland. CDU und SPD haben sich hier explizit darauf geeinigt, eine solche Technologie auf keinen Fall zum Einsatz kommen zu lassen. Das scheint Axel Voss (CDU) aber egal zu sein. Er fordert trotzdem das Gesetz, das eben diese einführen soll.
Der Axel Springer Verlag lobbyiert richtig hart für die Einführung. Die geben sogar zu, dass es ihnen vor allem darum geht, unabhängige und alternative Nachrichtenangebote aus dem Weg zu räumen.
Der erste Entwurf von Voss wurde letzte Woche im EU Parlament abgelehnt, nachdem er eine knappe Mehrheit im EU Rechtsausschuss erhielt. Er soll nun überarbeitet werden. Bleibt also wachsam, kontaktiert eure politischen Vertreter und merkt euch das Abstimmverhalten der Parteien für die nächste Wahl.

Weitere Links
– Sasha Lobo zur Entwicklung des “Axel Springer Gesetz”
– Axel Voss (CDU) und Julia Reda (Piraten) schreiben hier ihre Argumentation nieder. Das Ziel von beiden ist löblich. Voss bleibt in seiner Argumentation jedoch sehr vage, während Reda konkrete Beispiele und wissenschaftliche Quellen für ihren Standpunkt bemüht.
– Save Your Internet Kampagne

Aufmerksamkeit des Populismus

Trump und die AfD haben etwas gemeinsam: Sie erzeugen Aufmerksamkeit. Das ist eine der Methoden, durch die sie dahin kommen konnten, wo sie heute sind. Inhalte sind eher selten und nur basal vorhanden. Es geht irgendwie um den Schutz von “uns” vor der schrecklichen Gefahr der “anderen”. Detaillierter wird die Argumentation nicht und dürfte sie auch gar nicht werden, denn dann würde man die tieferliegenden argumentatorischen und/oder moralischen Verfehlungen erkennen. Detaillierter muss die Argumentation aber auch nicht werden, denn anscheinend kommt es vielen Menschen gar nicht darauf an. Es reicht, durch provokante Thesen, die ein manchmal nur vages Gefühl bedienen, ins Rampenlicht zu rücken.
Man bedient sich hierbei verschiedener psychologischer Mechanismen: Zum einen bleibt etwas besonders Außergewöhnliches besonders leicht im Gedächtnis. Darüber hinaus kann man durch das Lenken von Aufmerksamkeit Menschen dazu bringen, andere Dinge gar nicht mehr wahrzunehmen. Um das zu illustrieren, hier ein kleines Video:

Des Weiteren ist Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource. Das ist gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung, in der durch großflächige Verfügbarkeit von Bildschirmen mit Unterhaltungsangeboten stets Reize verfügbar sind bedeutsam, denn wenn wenig Aufmerksamkeit verfügbar ist, muss man wenige vorhandene Aufmerksamkeit schnell und simpel auf sich ziehen. Dann gibt es noch das Phänomen, dass Menschen automatisch das, was ihnen auffällt, für wichtig halten. Vor dem Hintergrund wirkt es besonders verhängnisvoll, dass rechte Politiker mit vermeintlich skandalösen Aussagen durch Einladungen in Talkshows oder Interviews in Magazinen belohnt und bis zum Erbrechen rezitiert werden. Und zu guter Letzt fühlen sich Menschen auch noch in ihren Meinungen über eine bestimmte Sache bestätigt, wenn sie nur die Sache (nicht etwa die Meinung über die Sache) irgendwo wiedersehen.
Ein erster Schritt gegen Populisten kann es also schon sein, Menschen über die Mechanismen von Aufmerksamkeit aufzuklären und ihnen (also den Populisten) keine Beachtung zu schenken. Leider scheinen Populisten die Medien besser zu verstehen, als die Medien sich selbst. Wichtiger wäre, über die Mechanismen der Beeinflussung und über Fakten zu berichten, anstelle sich zu empören.

Sehr zu empfehlen ist hierzu ein älteres Segment aus dem Neo Magazin Royal.

Russland

Guckt man sich dieser Tage Russland und Amerika an, könnte man meinen, der kalte Krieg hätte nie aufgehört. Sich im direkten Gegenüber die Köpfe einzuschießen hat sich in der Vergangenheit nicht bewährt, deswegen führt man lieber Stellvertreterkonflikte um politischen Einfluss aber eigentlich hauptsächlich um Ressourcen in Ländern, in denen sich wegen der desaströsen sozioökonomischen Lage niemand dagegen wehren kann. Oder man manipuliert eben im Verborgenen und tut dann so, als wisse man von nichts.
Ohne Frage ziemlich asozial und wenig zielführend. Und beide Seiten geben sich da relativ wenig. Die USA versuchen, Videos auf denen Soldaten offensichtlich Zivilisten und Journalisten ermorden, verschwinden zu lassen. Russland bombardiert ein Krankenhaus. Die NSA überwacht alles, Russland manipuliert den Wahlkampf. Eine Frau, die brutalste Foltermethoden angeordnet hat wird, Chefin der CIA. Von irgendwo her taucht ein tödliches Gift auf und erwischt einen ehemaligen russischen Agenten.
Das könnte man endlos so weiterführen und die Liste an unmenschlichen Gräueltaten würde  lang sein. Da geben sich auch beide Seiten nichts. Seit der Wahl Trumps sind auch die Führungsstile der Länder näher aneinander gerückt. Ziemlich eindeutig verdienen also beide Verachtung.
Doch findet in der öffentlichen Diskussion eine interessante Gewichtung statt. Da wird dann auf einmal das kriegerische Handeln der USA, das angeblich zur Verteidigung dient (denn sonst wäre es ja völkerrechtswidrig) in Schutz genommen. Zuletzt saßen in einer Runde bei Anne Will einige Menschen, um sich über ein relatiertes Thema zu unterhalten. Guckt man sich an, wer da saß, findet man schnell heraus, dass drei der Gäste im Vorstand der proamerikanischen Transatlantischen Brücke sitzen, also einem Interessen-/Lobbyverband. Das wird in der Sendung nicht erwähnt. Und sehr oft fällt mir auf, dass ich – obwohl ich versuche, mich relativ umfassend und ausgewogen zu informieren – kaum amerikaskeptische Berichte entdecke.
Außer in ziemlich linken Medien. Da wiederum sind die USA immer der Teufel. Und – noch viel erschreckender – Russland ist ganz lieb und unschuldig. Gut, im Bundestag ließen sich kürzlich auch einige Linke Politiker dazu hinreißen, die Annexion der Krim als widerrechtlich einzuordnen, aber nur in einem Nebensatz, der dazu diente, mit einem “, aber…” eine Kritik an Amerika einzuleiten.
Da frage ich mich schon, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht. Nur weil der eine blöd ist, heißt das nicht, dass der andere automatisch toll sein muss (und umgekehrt). In Russland steht es um die Menschenrechte deutlich schlechter, als in den USA. Und auch in anderen Vergleichen kommt die russische Föderation schlechter weg. Nur, weil Lenin irgendwann mal den Kommunismus ausprobiert hat, feiern sie jetzt ein Land, das autokratisch regiert wird und extrem weit weg von irgendeiner Idee von sozialer Gerechtigkeit existiert? Lieber würde ich sehen, dass die Bewertung beider Länder anhand ihres Handelns getroffen und nicht gegeneinander aufgewogen wird. Sonst kommen wir schnell in den ach so beliebten Whataboutism, der nur die Aufmerksamkeit umlenkt ohne eine inhaltliche Auseinandersetzung und somit auch ohne eine Veränderung zu bewirken.