Update: Corona mich nicht voll!

Wie, der Scheiß ist immer noch nicht vorbei? Weswegen ist das so? Die Kurzversion: Deinetwegen. Die Langversion:

Zugegeben, am Anfang dieser Pandemie habe auch ich nicht mit diesem Ausmaß gerechnet. Das hatte unter Anderem damit zu tun, dass einige (nicht so freiheits- und demokratieliebende) Länder relativ schnell Herr der Lage geworden zu sein schienen. Es hatte auch damit zu tun, dass ich den Menschen zugetraut habe, sich an die im vorherigen Blogpost genannten Regeln zu halten. Mittlerweile wurden die sogar unter dem Akronym AHA so verpackt, dass man sie sich leichter merken kann. Zur Erinnerung, AHA bedeutet:
1. Abstand
2. Hygiene
3. Alltagsmaske

Mittlerweile gibt es Untersuchungen darüber, welche Maßnahmen hilfreich in der Eindämmung vom Virus sind. Nicht hilfreich sind da beispielsweise die von einem sachunverständigen bayrischen Ministerpräsidenten vorgeschlagenen Massentests. Abgesehen davon, dass Bayern es nichtmal schafft, die bisher Getesteten zeitnah (oder überhaupt) über ihre Ergebnisse zu informieren, müsste man so viele Menschen (zeitgleich) testen, dass das einfach unmöglich wäre. Eine weitere Maßnahme, die kaum einen Effekt zu haben scheint, ist die Ausgangsbeschränkung. Das liegt daran, dass das Problem nicht darin besteht, draußen zu sein. Dazu gleich mehr. Ebenso sinnlos ist das großflächige Besprühen öffentlicher Plätze mit Desinfektionsmittel, mit dem in Deutschland zum Glück nie begonnen wurde.
Das bringt uns zu einem umstrittenen Punkt: den Oberflächen. Schon zu Beginn der Pandemie hat Hendrik Streeck eine Studie durchgeführt um zu überprüfen, ob sich Corona über Oberflächen überträgt und ist zu dem Schluss gekommen, dass das nicht so ist. Seine Studie hatte leider methodologische Schwächen und wurde auch auf sehr unkonventionelle Art und Weise “veröffentlicht” (Streeck hat die Werbeagentur von Ex-Bild Chef Diekmann mit der PR für die Studie beauftragt). Das RKI meint dazu, dass eine Übertragung bei hoher Viruslast möglich ist. Das gilt auch für die eigenen Hände. Deshalb scheint Hygiene sinnvoll zu sein. Ebenso unklar ist die Wirkung von Masken. Die WHO hat das zwar mal untersuchen lassen, musste aber auch methodologische Schwächen einräumen. Möglicherweise sorgen Masken dafür, dass Menschen sich eher an Abstandsregeln halten, weil sie beim Anblick an die Allgegenwärtigkeit des Virus erinnert werden. Möglicherweise denken Menschen aber auch, dass Abstand durch die Masken nicht mehr so notwendig ist. Sicher ist, dass Alltagsmasken größere Tröpfchen (= potenziell hohe Viruslast) zurückhalten und Aerosole mehr verstreuen. Sie sind also wahrscheinlich auch sinnvoll.
Zu guter letzt kommen wir zu der Maßnahme, die mit Abstand (höhö) die größte Wirkung hat: der Abstand. Veranstaltungen mit vielen Gästen zu verbieten war effektiv. Den Schulunterricht nur noch über Internet per Video stattfinden zu lassen auch. Und auch das Verbot von Treffen größerer Gruppen gehörte dazu. Das will nur anscheinend keiner so richtig wahrhaben. Ich kann mich da auch nicht ausschließen. In den letzten 14 Tagen hatte ich Kontakt zu 7 Haushalten. Und da zählen die Kontakte auf der Arbeit noch nicht zu. Hätte ich mich also vor 14 Tagen angesteckt, wäre mein persönlicher R-Wert 7. Und hätten sich alle 7 Haushalte so verhalten wie ich, hätten wir potenziell 48 neuinfizierte Haushalte. In China könnte man alle diese Haushalte leicht per Handy ausmachen und in Quarantäne stecken: Problem gelöst! Die deutsche Corona App könnte sowas leider (oder zum Glück) nicht leisten, aber die wurde sowieso von zu wenigen Leuten installiert – auch wenn ihr Grundgedanke gut ist. Nur Abstand schützt wirklich. Gerade zu Weihnachten ist das eine für viele schmerzhafte Realität. Die meisten Menschen, mit denen ich bisher gesprochen habe, wollen sich über die Empfehlungen zur Kontaktbeschränkung hinwegsetzen. Mit Eltern, Großeltern, Geschwistern und Partnern kommt man sehr schnell auf sehr viele Haushalte. Leider sind Kontaktbeschränkungen nicht nur sehr sinnvoll, sie sind auch das einzige wirklich wirkungsvolle Mittel, um die Ausbreitung von Corona einzudämmen. Und leider müssen wir uns da alle an die eigene Nase fassen und uns noch weiter einschränken.

Die Landesregierung von NRW hat noch vor wenigen Tagen an einem Weihnachten mit gelockerten Regeln festgehalten. Mittlerweile ist der sachunkundige nordrhein-westfälische Ministerpräsident zurückgerudert und erwägt nun doch starke Einschränkungen. Diese könnten bei der heutigen Bund-Länder Konferenz beschlossen werden. Man könnte meinen, dass der Ministerpräsident schlecht beraten wurde. In seinem Beratergremium sitzt nur ein Virologe. Und das ist Streeck.

Eigentlich müssten wir alle hoffen, dass es härtere Kontaktbeschränkungen geben wird. Und eigentlich müssten wir uns alle (jetzt schon) an sie halten. Corona tötet in Deutschland im Moment täglich über 500 Menschen. Zum Vergleich: In eine Boeing 747 passen 440 Menschen. Das ist ein Flugzeugabsturz jeden Tag. Ich wünsche euch frohe Weihnachten!

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